Aktuelles von Johannes Loriz


Geschichten ohne Ende

so mit einem Satz also bin ich auch DRIN....
kein Mensch interessiert sich für mich, ich lebe auf dem Land, muss viel arbeiten und wie könnte ich da die vielen kurzen Freizeitmomente nutzen, und all die netten Menschen kennenlernen, die mit mir auf der Welt leben, gäbe es da nicht das web?
Ist das, was man den ganzen Tag über macht, auch das, was einen wirklich interessiert?
Wie kommt das Gute in die Welt, und warum geht es meist knapp, aber gründlich daneben?
Was ist wirklicher Erfolg?
Wie und wo und wann würde ich meinen Hintern nochmals so richtig anheben um mit den 44 Jahre alten Knochen noch was richtig cooles anzustellen?
Auszerdem gibt es da noch andere Eigenschaften, die an einem dran sind, zumindest ansatzweise, und mit denen könnte man - wenn man's könnte - ja auch....
Aber!
Keiner interessiert sich für mich?
Weil ich ja auch nichts mache, bzw. niemandem erzähle, was ich grade alles so mache..., ist ja auch keiner da, dem man was erzählen kann usw.
Nun denn, ich erzähle..

....die Bienen!

Vor einigen Jahren im Frühling hegte ich plötzlich und praktisch ohne äuszeren Anlass den Wunsch, Bienen zu haben und Honig zu machen. Ein paar Tage später nur sah ich vor meinem Fenster, hinter dem ich mich dem Offsetdrucken hingab, eine ganze Menge Bienen tanzen. Bei einer sofortigen Inspektion unserer Hauswand wurde klar, der liebe Regen hatte den Putz zwischen den Ziegeln ausgespült; durch ein kleines Loch flogen die Dinger aus und ein. Später in der Nacht schlich ich die Leiter hoch mit einer Taschenlampe.. vor dem Loch war alles ruhig, drinnen brummte es herzerwärmend. Mit einem spitzen Etwas löste ich beim zweiten Angriff vorsichtig einige Steine aus der Wand und siehe da: eine wunderschöne Bienentraube wurde im Scheinwerferlicht sichtbar. Alles bewegte sich, blieb aber ruhig hängen und nun war ich natürlich schon so infiziert, dasz ich sie auch gleich in einen Bienenkasten einlogieren wollte. Von Hansjörg, der einige Erfahrungen mit Bienen hatte, bekam ich einige Ratschläge: ich solle diese Kiste da nehmen und sie hineinschöpfen; aber unbedingt müsse auch die Königin drin sein! Es war schon Mitternacht, als ich mit einer Bienenkiste die Leiter hochging, nicht wissend, wer wohl die ganze Sache eher überleben würde, die Bienen oder ich? Meine Freunde hatten mich ausgestattet mit Bauhandschuhen und einem löchrigen Imkerschleier, der wohl eine zeitlang den Motten als Spielzeug oder Nahrungsgrundlage gedient hatte; ich weisz es nicht, jedenfalls löchrig! Und letztendlich fanden dann auch kurz vor Ende meiner schon grausamen Bienenschöpfaktion, bei der viele Bienen den Tod fanden, doch zwei von ihnen den Weg durch die Löcher im Schleier.
Wie ist das in vier Metern Höhe auf einer Leiter mitten in der Nacht?
Man hat eine zu schwere Holzkiste auf der Hand, die man fast nicht mehr ausbalancieren kann und wird von zwei Bienen ins Gesicht gestochen, während man das Gebrumme aller aufgeflogenen Brüder und Schwestern hört, die diesen beiden ein Totengeleit geben wollen! Da liegen die Nerven blank, und hätte man Zeit darüber nachzudenken, ob das, was man macht, auch das ist, was einen interessiert.....man würde vielleicht doch keine Antwort finden!
Jedenfalls kamen ich und ein paar tausend Bienen mit mir von der Leiter. Sogleich entfernte ich den Lochschleier von meinem Haupte, jedoch es war zu spät. Die beiden Gesellinnen, sie hatten mich ins Gesicht gestochen. Und die folgenden Tage nannten mich meine Freunde liebevoll den Glöckner. Die Bienen wurden an einen schönen Platz gestellt und als ich am nächsten Morgen das Flugloch öffnete, konnte ich mit dem einen Auge, das noch nach drauszen blicken konnte, auch sogleich die Bienen ausfliegen sehen.
Aber was waren das für Bienen, die weiterhin in das Loch der Mauer flogen, gingen etwa die aus dem Kasten wieder zurück, hatte ich doch die Königin nicht mit in den Kasten getan? Nach einiger Zeit dämmerte es mir, da war noch ein Bienenschwarm in der Mauer direkt neben dem, den ich schon geholt hatte! Die nächste Nacht wurde genau so spannend und aufregend wie die davor, nur dasz ich nicht mehr so gut sehen konnte und an dem Schleier die Löcher zugeklebt waren.Nach drei Tagen also hatte ich zwei Bienenvölker und starrte so oft ich konnte auf die Fluglöcher. Alles schien in Ordung zu sein, Bienen flogen weg und kamen wieder. In die Kisten hatte ich Rähmchen aus Holz gehängt, in diese sollten meine Bienen ihre Waben bauen und das taten sie auch.
Ich besorgte mir Literatur und sprach mit Hansjörg.
Nach einiger Zeit wuszte ich dann auch schon, was ich alles falsch gemacht hatte, z.B. steigt man nicht nachts auf die Leiter, um Bienen zu schöpfen, sondern tagsüber, und man darf nicht glauben, dasz sich ein kleiner Bienenschwarm, nur weil man ihn liebt, auch automatisch bis zum Herbst zu einem überwinterungsfähigen Volk entwickeln kann. Aber das sieht man erst im Frühling, wenn keine Biene aus dem Kasten kommen will, weil sie alle gestorben sind. Ich gebe zu, es war zum Heulen, aber sie waren tatsächlich alle tot. Aufgeben kam nicht in Frage, doch kaufen wollte ich auch keine Bienen. Man kauft sich Tabak oder ein Auto, vielleicht ein Huhn oder einen Hund, aber keine Bienen. War auch nicht nötig, ich putzte meine drei Kästen und liesz sie einfach stehen, wo sie standen. Mitte Mai ging ich da wieder mal hin und ich traute meinen Augen kaum, beide Kästen waren wieder belegt. Sogleich fütterte ich die beiden Schwärme mit Zuckerwasser, damit sie sich gut entwickeln sollten. Im Herbst diesen Jahres hatte ich drei Völker, die es nicht geschafft hatten, den Honigaufsatz auf ihrem Brut-Zuhause auszubauen. So blieb nur noch darauf zu achten, dasz sie im Winter genung zu fressen haben würden.
Auch meine Bienen hatten vermutlich dieses kleine Tierchen bei sich im Kasten, das sich von ihrem Blut ernährt. und das man "Varroa" nennt. Würde der Imker sein Bienenvolk nicht ständig beobachten und die Population der gefährlichen Milbe schätzen, könnte es leicht passieren, dasz das ganze Volk daran sterben müsste. Da ich nicht gewillt war, ein Bekämpfungsmittel aus der Pharmaindustrie zu nehmen, machte ich einen ersten Versuch mit Ameisensäure. Leider hatte ich keine Möglichkeit, den Erfolg meines Tuns zu überprüfen. Nur in einem Kasten hörte ich das dunkle ruhige Brummen bis zum ersten warmen Frühlingstag.
In einem anderen Kasten sasz eine gut genährte Maus und blickte mich verdutzt an, die toten Bienen klebten an den Waben. Beim dritten Volk blieb die Todesursache ungeklärt. Ich freute mich über die lieben Bienen, die aus dem einen Kasten ausflogen und war völlig fasziniert. Natürlich wusste ich mittlerweile schon einiges mehr über Bienen aus Fachliteratur und aus Gesprächen mit Kollegen. Obwohl Lesen nicht gerade zu meinen Hobbys zählt, verschlang ich alles zu diesem Thema, was greifbar wurde.
In diesem Jahr bekam ich insgesamt dreizehn Schwärme! Jan Hinrichs, der zu dieser Zeit zur Kooperative kam und dessen Beruf Schreiner ist, hatte alle Hände voll zu tun, um mir fast täglich einen neuen Bienenkasten und Rähmchen anzufertigen. Immer wenn ich in die Schreinerei kam, war er leicht entsetzt und es kam die Frage: "Ist es wieder passiert?" Ja! war meine freudige Antwort..."komm hilf mir doch nochmals, ich schaff das doch nicht alleine." Er tat es, und an meinem Bienenplatz unter freiem Himmel summte es immer mehr.
Der Fercher von Steinwand e.V. ermöglichte mir einen Kurs für Anfänger beim Mellifera e.V., Vereinigung für wesensgemässe Bienenhaltung.Thomas Radetzki ist der menschliche Pulsator der Vereinigung und hat spannende und zeitgemässe Fragen an die Bienenkhaltung. Ihm haben wir die Behandlung mit verdampfender Oxsalsäure zur Entschärfung des Problems mit der Varroa zu verdanken.
Mich beschäftigen verschiedene Fragen in Punkto Bienen:
Nachdem die Zeidler ihre Bienen in lebendigen Bäumen hoch oben betreut und ausgebeutet haben und wir sie nun in viereckigen Holz- oder Plastikkisten knapp über der Erde halten und ausbeuten, wie sollte die Behausung und Umgangsweise in der Zukunft erfolgen?
Was ist also wesensgemäss?
Wie kann ich als Imker dieses Wesen des "Bien" stärken und vitalisieren, nachdem schon einige Menschengenerationen auf Schwarmträgheit, Stechunlust und grossen Honigertrag züchten?